Fakultät & mehr – Basisgruppe Medizin https://bgmed.org Basisgruppe Medizin Tue, 11 Jun 2024 11:34:13 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.5.8 https://bgmed.org/wp-content/uploads/2020/11/cropped-logo-32x32.png Fakultät & mehr – Basisgruppe Medizin https://bgmed.org 32 32 Bündnis „SOS Studiwerk“ https://bgmed.org/2020/12/30/buendnis-sos-studiwerk/ Wed, 30 Dec 2020 16:47:30 +0000 http://s1003641315.online.de/?p=471 Steigende Kosten überall, doch das Land zahlt nicht. Wir sagen, es reicht uns und haben uns mit vielen anderen im Bündnis „SOS Studiwerk“ zusammengeschlossen. Denn in den letzten Jahren bezahlen wir stetig mehr Geld für das Studentenwerk, unsere Semesterbeiträge, Mieten und Kosten für Mensaessen steigen. Und Niedersachsen? Das schaut zu. Unser Ziel ist es weiteren Kostensteigerungen entgegenzuwirken und als diejenigen, die diese Situation wieder ausbaden müssen zu sagen: Das Land muss endlich seiner Verantwortung nachkommen! Die Forderungen lauten:
  • Sofortprogramm zur Auflösung des Sanierungsstopps und Neubauten
  • Erhöhung der Landeszuschüsse für Studiwerke auf mind. 25%
  • automatische, jährliche Erhöhung dieser Landeszuschüsse um mind. 3%
Damit wohnen wieder bezahlbar wird, die Beitragshöhe nicht jedes Semester eine persönliche Krise auslösen und das Mensaessen für alle erschwinglich bleibt! ]]>
Arbeitskreis Antirassismus https://bgmed.org/2020/11/10/arbeitskreis-antirassismus/ Tue, 10 Nov 2020 11:50:10 +0000 http://s1003641315.online.de/?p=385

Fragt ihr euch manchmal, was die Hautfarbe von Patient:innen mit ihrem Kreatininwert zu tun haben soll? Wart ihr auf einmal geschockt über die Art und Weise, wie bei der Arbeit über Menschen mit (vermeintlichem) Migrationshintergrund gesprochen wurde? Damit seid ihr nicht allein. Rassismus, egal ob als vermeintlich objektives medizinisches Wissen oder krude Beleidigung, ist in der Medizin so verbreitet wie in der übrigen Gesellschaft auch.

Um antirassistische und antidiskriminierende Arbeit zu leisten und Kompetenzen in diesem Bereich zu stärken, hat sich der Arbeitskreis Antirassismus in der Medizin Göttingen zusammengetan. Er steht explizit offen für alle Berufsgruppen im medizinischen Bereich sowie deren Auszubildende oder Studierende.

Ihr habt Fragen oder Interesse, euch auch antirassistisch zu engagieren? Dann meldet euch gerne unter [NoSpam]antirassismus-goe@posteo.de.

Oder lasst ein Like auf der Facebookseite da und haltet die Augen offen nach Veranstaltungen.

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Göttingen – was geht? https://bgmed.org/2020/11/08/was-mache-ich-heute-abend/ Sun, 08 Nov 2020 20:56:04 +0000 http://s1003641315.online.de/?p=357

Was mache ich heute Abend? Wo finde ich Kultur? Wo gehe ich einkaufen und wo lasse ich mein Fahrrad reparieren? Hier findet ihr ein paar unserer Vorschläge:


Der aktuelle Göttinger AStA hat ein paar Empfehlungen in der Karte-des-Wandels schön zusammengefasst. Sie „[…] beinhaltet Orte, die sozial, ökologisch und nachhaltig handeln.“

In unserer Liste werdet ihr einige dieser Adressen wiederfinden, aber auch andere Vorschläge sehen:

AliBaba/ Café Botanik

Kleines gemütliches Cafe beim Alten Botanischen Garten (der auch immer einen Besuch wert ist, je nach Jahreszeit unterschiedliche Öffnungszeiten), das leckere Speisen und Getränke mit persischem Einfluss zu fairen Preisen serviert.

Déjà vu

Während die meisten Kneipen um 2.00 Uhr schließen, hat das Déjà bis morgens geöffnet. Hier treffen sich dann im Laufe der Nacht alle diejenigen, die noch nicht nach Hause wollen.

Dots

Schniekes Café und Bar im Börner Viertel, ab und zu auch Live-Musik im Innenhof oder tanzbare Musik im Keller. Betrieben von einem Kollektiv.

Deutsches Theater

Ein Schauspielhaus, das neben Klassikern auch viel Abwechslung auf dem Spielplan bietet. Für Studis sind die meisten Stücke durch das Kulturticket sogar kostenlos. Es lohnt sich auf jeden Fall für alle Theaterfans, aber auch jene, die es noch nicht sind.

Galerie SaKuKu

Der Salon für Kunst und Kultur (SaKuKu) in der Gotmarstr.10 ist eine feministische Galerie, die von einer Gruppe aus Göttin-gen geführt wird. Ihr Wunsch und Ziel ist es in Göttingen mehr feministische Kunst zu schaffen, zu zeigen und zu teilen. Im Salon gibt es Ausstellungen, außerdem kann mensch kleinere und größere Kunstwerke erstehen und auch selber machen! Regelmäßig werden Workshops zu verschiedenen Themen angeboten, Material und Anleitung inbegriffen, du zahlst, was du kannst.

Goethe-Allee

Eine Straße in Göttingen, die der Dönermeile in Nichts nachsteht. Ganz im Gegenteil, hier findest du viele leckere Imbisse, (Shisha)bars und Sinem, einen türkischen Supermarkt.  

Junges Theater (JT), Theater im OP (ThOP)

Für Leute, die auch mal gerne ins Theater gehen wollen, aber auf den Klassikkrams aus dem Deutschkurs gerade keinen Bock haben. Im JT kann man im Sommer auch nett draußen sitzen und  zwischendurch finden hier auch Partys statt. Das ThOP ist eine studentische Initiative. Hier kann sich jede:r, die:der Lust auf Bühne, Technik, Dramaturgie und so weiter hat, beteiligen und an den Produktionen mitarbeiten. Das ganze findet im damaligen Präp-Saal des alten Uniklinikums statt, daher der Name. Die Aufführungen des ThOPs stehen allen anderen Göttinger Theatern in nichts nach.

JuzI

 JuzI = Jugendzentrum Innenstadt. Seit den 1980er Jahren ein selbstverwaltetes und -bewusstes Jugendzentrum. Ein Ort für politische Veranstaltungen, Austausch, Zusammenleben und Partys. Regelmäßige Termine sind zum Beispiel: Dienstags um 20 Uhr die Soliküche, jeden dritten Do ab 21 Uhr Queerbar und jeden ersten Sonntag im Monat von 16-19 Uhr Frauen*Lesben*Trans-Café.

Klamotte, KIMs & die Brockensammlung

Klamotte ist ein wirklich gut sortierter Second Hand Klamottenladen.

Und wer kein Problem damit hat sich durch ein paar Sachen zu wühlen, wird auch bei Kims und in der Brockensammlung sicher fündig. Hier gibt es zusätzlich zu Kleidung auch alle möglichen Haushaltsdinge, Möbel und Kinderkleidung. Im Second Hand einzukaufen schont auf jeden Fall den Geldbeutel.

Nörgelbuff

Ein Göttinger Urgestein. Wer keine Lust auf den üblichen Elektro oder Charts hat, ist hier an der richtigen Adresse. Es gibt Indie, Salsa und Balkan-Beats. Außerdem Konzerte mit lokalen Bands.

Obere-Masch-Straße 10 / Altes DGB-Haus

Das ehemalige DGB-Haus wurde im letzten Jahr besetzt, um der ubiquitären Wohnungsnot etwas entgegenzusetzen. Heute ist die OM10 teils dauerhafter, teils übergangsweiser Wohnort von Geflüchteten, soziales Zentrum und beliebter Treffpunkt.

Roter Buchladen und linksUnten

Hier gibt’s Bücher aller Art und besonders solche die das linkspolitische Herz höherschlagen lassen. Wenn’s ein Buch nicht gibt, kann es bestellt werden. Der Buchladen wird von einem freundlichen Kollektiv betrieben und führt viele Bücher, die’s woanders nicht gibt. Im Keller vom Buchladen findet sich linksUnten. Hier gibt’s auch Bücher, aber auch T-Shirts, Buttons, Plakate, Aufkleber, Kaffee, Infos, Kontakte und alles, was das Revolutinär:innenherz sonst noch erfreut.

Weiter Buchladenempfehlungen: Laura Frauen- und Kinderbuchladen (war früher zentraler Treffpunkt der Frauen und Lesbenbewegung) und Vaternahm (hier bekommt man viele Bücher zu reduzierten Preisen)

Salamanca

Kneipe mit sehr leckerer, frittierfreudiger Küche, darunter viele vegetarische/vegane Angebote zu studi-freundlichen Preisen und Zeiten. Außerdem gibt’s Kicker, Billard und einen beheizten Raucherraum.

Shirin

Ein kleiner vegetarischer Imbiss mit immer frisch zubereitetem persischem Essen und anständigem italienischen Kaffee.

sonderbar

Eher klein, ab dem frühen Abend eher voll (Laden und Leute) und immer eher verraucht. Laut Göttinger Tageblatt No-go-area für Nazis.

Stilbrvch

Ein kleiner studentisch betriebener Keller unter dem Verfügungsgebäude, also quasi mitten auf dem Campus. Ein linker Raum in dem immer wieder coole Partys, verrückte Live-Musik und Konzerte stattfinden und sich gerne auch mal eine lange Schlange am Eingang bildet.

T-Keller | Café Kabale | Lumière

In der Geismarer Landstraße gelegen, alles im selben Gebäude. Das Kabale hat auch schon tagsüber auf, mit charmantem Cafécharakter, und leckerem Essen. Hier finden auch interessante Veranstaltungen, Kleinkunst und Musikabende statt. Der T-Keller, wie schon der Name sagt, weiter unten im Gebäude, mit Kneipencharakter wird ab und zu auch zum Club. Ebenfalls im Gebäude das Lumière, ein wunderbares Programmkino in Göttingen, Filme laufen häufig auch in Originalsprachen, sehr zu empfehlen!
Seit September 2020 gibt es auch das MÉLIÈS (Bürgerstraße 13), ein zweites Programmkino!

Wilhelmsplatz

Der wohl günstigste Ort in Göttingen, um Feiern zu gehen. Im Sommer ist der “Willi” eine gute Alternative zu Kneipen, Clubs und co.

Fahrradwerkstätten in Göttingen

Radsportcorner: Gotmarstraße 3

Oelles Bike Service: Jüdenstraße 4

Allgem. deutscher Fahrradclub (ADFC): Geiststraße 2

my.worX: Güterbahnhofstr. 11

R & W Zweirad Team: Gronerlandstraße 21

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Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft https://bgmed.org/2020/11/08/kleine-geschenke-erhalten-die-freundschaft/ Sun, 08 Nov 2020 15:00:40 +0000 http://s1003641315.online.de/?p=346

Wie sich Werbegeschenke auf das Konsum-und Verschreibungsverhalten von (künftigen) Ärzt_innen auswirken

Gleich zu Beginn der O­-Phase wird man stolze_r Besitzer_in unzähliger Kugelschreiber, Leinenbeutel, Zettelblöcke und diversem weiteren Kleinkram. Im klinischen Studienabschnitt kommen dann EKG­ Lineale, Staubänder, Pupillenlampen und anderes „nützliches“ Zeug dazu; weit verbreitete Lehrbücher tragen das Logo eines auf Akademiker_innen spezialisierten Finanzdienstleisters. Auch die „Scheinfrei“­-T-­Shirts nach abgeschlossenem Studium tragen solche Logos, damit wir ja nicht vergessen wer uns durchs Studium begleitet hat und das auch in Zukunft tun wird.

Werbung wird dort eingesetzt wo sie sich auszahlt

Dass Firmen nicht aus purer Barmherzigkeit Geschenke für mittellose (Medizin­)Student_innen unter die Leute bringen, ist offensichtlich. Firmen handeln nach den Gesetzmäßigkeiten des Marktes und verfolgen das Ziel der Gewinnmaximierung. Das Sponsoring eines Abschlussballs mit ein paar tausend Euro ist so z.B. an die Teilnahme von Studierenden an sog. „Info“­Veranstaltungen der Sponsor_innen geknüpft. Es wäre naiv anzunehmen, dass das Kosten­ Nutzen­ Verhältnis dieser Veranstaltungen nicht zu­ Gunsten der Sponsor_innen kalkuliert ist. Denn auch wenn man diesen Dingen erst einmal nicht viel Bedeutung beimisst, geht von ihnen doch Einfluss auf unsere Entscheidungsbildung aus, der letztlich positiv in die Firmenbilanz eingeht. So sieht es auch mit dem banalen Kugelschreiberaufdruck des Medikamentes XY aus, denn dieser Aufdruck schafft Aktualität für ein bestimmtes Produkt ein viel beworbenes Produkt wird als Kauf­ bzw. Verschreibungsalternative zu anderen Produkten ins Spiel gebracht. Wenn dann während des Ausfüllens des Rezeptes an dieses Medikament XY gedacht wird, obwohl es sinnvollere Alternativen gibt, ist eine Etappe des Be­einflussungsprozesses schon erreicht. Des Weiteren tragen Werbegeschenke, kostenlose Mahlzeiten, gesponserte Vorlesungen und Fortbildungen sowie der direkte Kontakt mit Pharmavertreter_innen dazu bei, das Gefühl einer persönlichen Verbundenheit der Ärztin oder des Arztes zum entsprechenden Pharma­ unternehmen aufzubauen. Diese Dinge fallen in den marketingstrategischen Bereich der emotionalen Bindung an ein Produkt. Hierbei sind auch Werbeartikel von geringem Wert wie der eben beschriebene Kugelschreiber nicht zu unterschätzen. Es existiert kein Schwellenwert, unter dem Werbegeschenke keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss auf Einstellung und Verhalten einer Person hätten. Einer der Gründe hierfür ist die sogenannte Reziprozitätsregel: Auf ein Nehmen hat ein Geben zu folgen. Diese Regel ist Grundlage von sozialem Verhalten in Gesellschaften und wird dementsprechend früh und tief verinnerlicht, was sich die Werbepsychologie zunutze macht. Auch das Wissen um diesen sozialen Mechanismus schützt nicht vor seiner Wirkung – im Gegenteil: Menschen, die sich der Reziprozitätsregel theoretisch bewusst sind, halten sich häufig auch in der Praxis für immun gegen Beeinflussungsversuche. Dabei wird dann vernachlässigt, dass sich die Einflussnahme auch unbewusst vollzieht.

Betrifft dies lediglich unsere privaten Konsum­entscheidungen so mag das lästig oder ärgerlich sein, aber spätestens mit Abschluss unseres Studiums tragen wir u.a. Verantwortung für die Medikamenten­verordnungen für unsere Patient_innen. Hier sollte unser primäres Interesse, die Gesundheit unserer Patient_innen, nicht durch Zuwendungen von pharma­zeutischen Unternehmen beeinflusst werden.

Bezeichnenderweise ist den meisten Mediziner_innen der manipulative Charakter von Werbegeschenken durchaus bewusst, eine Beeinflussbarkeit sehen sie aber vor allem bei ihren Kolleg_innen. Bezogen auf ihr eigenes Urteilsvermögen geben sich die meisten der Illusion hin von Zuwendungen profitieren zu können, ohne sich davon beeinflussen zu lassen. Dass man sich dabei selbst in die Tasche lügt und diese Annahme vor allem der Entlastung des eigenen Gewissens dient, wird daran deutlich, dass mit zunehmender Anzahl an Kontakten, die ein_e Mediziner_in zu Pharma­vertreter_innen hat, auch der Glaube an die eigene Unbeeinflussbarkeit wächst.

Fälschlicherweise wird aus Bequemlichkeit außerdem gern angeführt, dass Informationen über neue Medikamente größtenteils durch Pharmafirmen und ihre Vertreter_innen zur Verfügung gestellt werden. Hierbei gilt es zu bedenken, dass es sich bei Pharmavertreter_innen um Personen handelt denen es darum geht ihr Produkt möglichst gut zu vermarkten und nicht darum, unabhängige Informationen oder Alternativen zum eigenen Produkt zur Verfügung zu stellen. Deshalb müssen Informationen von Pharma­vertreter_innen immer kritisch auf ihren Inhalt geprüft werden. Zeitsparender und sinnvoller ist es jedoch auf unabhängige Arzneimittelzeitschriften zurückzugreifen und sich dort über Neuerungen zu informieren.

Natürlich kann man diese Einstellungen und bewusste Nicht­ bzw. Fehlinformation als individuelles Fehl­verhalten einzelner Firmenangestellter brandmarken, darf dabei aber nicht die gesellschaftliche Dimension des Problems ausblenden. Auch Leitlinien für die Behandlung einzelner Erkrankungen werden von Pharmafirmen mitgestaltet. Dies kann u.a. durch Sponsoring von an den Leitlinien beteiligten Autor_innen oder aber durch das Zurückhalten von negativen Studienergebnissen erfolgen. Gefährlich wird dies für Patient_innen, wenn sie aufgrund selektierter und somit verfälschter Studienlage oder von unkritisch handelnden Ärzt_innen Medikamente verschrieben bekommen, die ihnen mehr schaden als nützen, obwohl besser verträgliche Präparate zur Verfügung stünden.

Das Märchen von den hohen Forschungskosten

Weiterführend geben Pharmafirmen für gewöhnlich fast doppelt so viel für Marketing aus wie für die Forschung. Dies liegt unter anderem daran, dass nur 2% der neu entwickelten Medikamente einen deutlichen Vorteil zu den bereits auf dem Markt befindlichen Medikamenten bieten und fast 70% als überflüssig gelten, da bereits gleich gute oder sogar bessere Medikamente auf dem Markt sind. Nach marktwirtschaftlichen Prinzipien haben Pharmafirmen also wenig andere Möglichkeiten als durch aggressives Marketing, auf einem in Teilen übersättigten Markt, ihre „neuen“ teureren Produkte an die Ver­braucher_innen zu bringen, um größtmögliche Gewinne einzufahren. Die Pharmafirma Novartis z.B. hat 2007 einen Gewinn von 5,1 Milliarden Euro erwirtschaftet und wurde in den Jahren von 2001 bis 2008 mehrmals von der US­-Zulassungsbehörde FDA wegen irreführender Werbung verwarnt.

Als Argumentation für die hohen Arzneimittelpreise werden von den Pharmafirmen gerne die hohen Forschungskosten ins Feld geführt, schwer ver­ständlich, wo doch die Marketingausgaben höher als die Forschungsausgaben sind. Dies zudem vor dem Hintergrund, dass die kostenintensive Grundlagen­forschung von Universitäten aus öffentlichen Geldern getragen wird und sich die Pharmafirmen dann die „Rosinen herauspicken“ mit denen eine weitere Forschung gewinnbringend erscheint. Dabei werden primär Medikamente für Menschen in kaufkräftigen Regionen der Erde entwickelt. Gleichzeitig werden für die sogenannten „vernachlässigten Krankheiten“ kaum Medikamente entwickelt. Grund hierfür ist, dass die von diesen Krankheiten betroffenen Patient_innen keinen kaufkräftigen Absatzmarkt darstellen. Neu­entwicklungen auf diesem Gebiet finden dadurch in den meisten Fällen auf universitärer Ebene statt.

Der Grundstein wird schon im Studium gelegt

Trotz alledem scheinen die Berührungsängste gegen­über Sponsoring und Lobbyvertreter_innen bei (angehenden) Ärzt_innen verschwindend gering zu sein. Bestes Beispiel ist die O­-Phase, die streckenweise einer Kaffeefahrt für die Deutsche Ärzte Finanz, MLP, Medi­Learn und andere zahlungswillige Unternehmen gleicht. Auch Semesterpartys und der Sommerball der medizinischen Fakultät werden u.a. von den Finanzdienstleistern Deutsche Apotheker­ und Ärztebank und MLP gesponsert. Sogar die Semester­verteiler wurden schon als Werbeforum genutzt. Dreist ist hierbei, dass Werbung nicht auf den ersten Blick als solche zu erkennen, sondern als Information von Student_innen für Student_innen getarnt war. Teil­weise aber rufen Studierende auch ganz ohne Um­schweife dazu auf an Veranstaltungen teilzunehmen, wenn die Sponsor_innen eine Art Kopfgeld ver­sprochen haben. Selbst wenn es sich hier um Firmen und Dienstleister_innen aus Bereichen handelt, die eher den privaten Bereich betreffen, so wird hier doch der Grundstock für einen vollkommen unkritischen Umgang mit Vertreter_innen von wirtschaftlichen Interessen gelegt, der dann während des Studiums weiter ausgebaut wird ­ nur wenige Medizinstudierende haben während ihres Studiums keine Werbegeschenke von Pharmafirmen angenommen.

Sich deshalb nun aber nur als Opfer von Pharmafirmen zu fühlen und darzustellen wäre verlogen. Solange es von Seiten der Mediziner_innen weiterhin einen dermaßen unkritischen und/oder vorteilsorientierten Umgang mit Pharmafirmen gibt, wird sich u.a. auch an den Marketingstrategien, den Medikamentenkosten und den Forschungsschwerpunkten der Pharmafirmen nichts ändern. Zudem werden Patient_innen immer Gefahr laufen Medikamente aufgrund von gezielter Werbung erhalten zu haben, z.T. ohne dass sich die verordnenden Ärzt_innen dessen bewusst sind.

Wer sich weitergehend über Ausmaß von Pharma­lobbyismus, Taktiken der Pharmaunternehmen und Initiativen gegen Einflussnahme der Medikamenten­hersteller_innen auf Ärzt_innen informieren möchte, dem empfehlen wir die Internetseite des Vereins „MEZIS – Mein Essen zahl‘ ich selbst“ http://www.mezis.de/ oder der „BUKO Pharma­Kampagne“ http://www.bukopharma.de/.

Solange eine Pharmaindustrie existiert, die nicht primär für Patient_innen produziert sondern für die eigene Gewinnmaximierung, ist es nicht unhöflich,…

  • … Pharmavertreter_innen vor der Tür stehen zu lassen.
  • … sog. „Info“broschüren zurückzuweisen.
  • … sein Essen selbst zu zahlen.
  • … statt Werbeplakaten Bilder an die Wand zu hängen.
  • … Veranstaltungen firmenunabhängig durchzuführen.
  • … seine Zeit sinnvoller zu verwenden, als sie mit der Aufnahme von interessen­gefärbten Informationen zu verschwenden.
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Ärzt*Innenbünde https://bgmed.org/2020/11/08/aerztinnenbuende/ Sun, 08 Nov 2020 14:54:09 +0000 http://s1003641315.online.de/?p=343

„Stark für Euch“?- Die Wahrheit über Ärzt*Innenbünde


Im Kontext der Wirkung und Gefahren von Werbeartikeln ist ein besonderes Augenmerk auf diejenigen zu richten, auf der das Logo eines
ÄrzteInnenbundes prangt. Sie bereiten auf das vor, was kommt: an jeder Ecke begegnet uns Werbung, die Mitgliedern des Hartmannbundes
exklusive Angebote verspricht.
Der Haken: in den Werbeaktionen wird bewusst bis auf wenige schwammige Anmerkungen verschwiegen, zu welchen politischen Zielen der Hartmannbund sich bekennt.

„Stark für Ärzte – stark für euch“: emotionalisierende Slogans sind alles, was wir erfahren. Was aber steht dahinter?


Seit Jahrzehnten vertritt der Hartmannbund eine gewinn- und statusorientierte ÄrztInnenschaft. Dabei geht es nicht nur um die Interessen einer konservativen Mitte. Hohe Tiere des
Bundes sind in der Vergangenheit mit revisionistischen und pauschalisierenden Äußerungen in Verbindung gebracht worden, manche
blicken auf eine Karriere als aktive NSDAP-MitgliederInnen zurück.

Was man heute auf der sorgfältig gestalteten Website des Hartmannbundes findet, ist in ähnlicher Weise kritikfähig:
Man muss dem Bund zugestehen, dass z.B. in der Kritik an der marktwirtschaftlichen Orientierung der Krankenhäuser und den damit einhergehenden Versorgungsproblemen und Personalengpässen ein fundierter Fachbezug erkennbar ist. Die Reformvorschläge berücksichtigen dagegen nicht, dass im Gesundheitssystem nicht nur die ÄrztInnen eine
tragende Rolle spielen, sondern dass es vielmehr um eine ergänzende
Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche geht. Der Hartmannbund dagegen vermittelt den Gedanken eines elitären Systems. Eine moderne
Gesundheitsreform sollte ganzheitlicher gedacht werden. Die Vorschläge zielen vor allem auf die Unabhängigkeit ärztlicher Entscheidung ab. Als Mittel der Wahl wird die Vergütung von Einzelleistungen, die Stärkung der privaten Krankenkassen und der Selbstbeteiligung genannt. Wer zwischen den Zeilen liest, kommt nicht umhin zu bemerken, dass unter dem Deckmantel der zunehmenden Individualisierung die Ökonomisierung des Gesundheitswesens vorangetrieben, ein überproportionaler Fokus auf Selbstzahlerleistungen befürwortet und damit eine Mehrklassenmedizin gefördert wird. Der wesentliche Haken an dem System ist, dass zwecks der Besserstellung der ÄrztInnen in Arbeitssituation und Finanzen eine Unterversorgung der Geringverdienenden in Kauf genommen wird. Das ist in keinster Weise akzeptabel!
Das unmittelbare Ziel der Aktionen und Aufmerksamkeiten der ÄrztInnenbünde ist politische Einflussnahme! Lasst euch bitte nicht zu einer Mitgliedschaft in einem Verein überreden, solange Ihr euch nicht kritisch mit seinen politischen Zielen auseinandergesetzt habt und sicher seid, diesen eure Stimme geben zu wollen. Für Organisationen wie den Hartmannbund seid ihr politisches Frischfleisch, und sie legitimieren ihre Ziele gerne durch die vermeintliche Unterstützung der zukünftigen ÄrztInnen. Die Konsequenzen betreffen nicht nur euch und euer späteres Arbeitsumfeld, sondern das ganze Gesundheitswesen.

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Vorsicht! – Zimmer frei https://bgmed.org/2018/11/08/vorsicht-zimmer-frei/ Thu, 08 Nov 2018 20:03:53 +0000 http://s1003641315.online.de/?p=352

Göttinger Verbindungen locken männliche Studenten mit billigen Zimmern und dubiosen Methoden in ihre Häuser: Wohnen bei „Ehre-Freiheit-Vaterland!“

Das Studium beginnt mit einem oft frustrierenden Part, der Wohnungssuche. Ein angespannter Wohnungsmarkt zu Semesterbeginn und die späten Zusagen der ZVS machen diese Suche nicht selten zum Martyrium. Umso mehr erfreut ist Mann natürlich, wenn im Internet oder am schwarzen Brett folgendes offeriert wird:

„21m2, 110€, männlicher Mitbewohner gesucht: Wir haben einen sehr großen Garten, der sehr ruhig ist […]. Verschiedene Zeitungsabos, DSL 16000 und Telefonflatrate sind vorhanden und bis zur Uni brauchst du zu Fuss nicht mehr als 5min […]. Wir sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen was die Interessen und Studienrichtungen angeht (Jurist, Chemiker, Historiker, Politologe…). Wir sind keine Zweck-WG und kommen alle sehr gut miteinander aus und unternehmen sehr viel zusammen. Wenn dich das ansprechen sollte komm einfach vorbei oder ruf an, wir würden uns freuen. Das Zimmer kann sofort bezogen werden.“

Burschenschaft Hannovera (pflichtschlagend, Deutsche Burschenschaft)

Erfreut sollte man jedoch nicht sein, sondern vielmehr verärgert, dass viele Verbindungen (unter ihnen auch die rechte, „pflichtschlagende“ Burschenschaft Hannovera) mit solch dubiosen Anzeigen auf Nachwuchsfang gehen. Die günstigen Preise, die außergewöhnlich gute Ausstattung („Gründerzeitvilla mit Billiardzimmer“) und die Suche nach ausschließlich männlichen Mitbewohnern sind deutliche Kennzeichen, dass es in einem Inserat um mehr geht als die Suche nach einem WG-Mitbewohner. Auch in diesem Semester genügt eine kurze Suche bei den einschlägigen WG-Suchmaschinen um mehr als zehn solcher Angebote, unter anderem von den Burschenschaften Germania und Holzminda (s.u.) zu finden.

Warum sollte man solche Anzeigen also besser vergessen und sich das billige Zimmer entgehen lassen?

Die archaische, auf Männlichkeit, Befehl und Gehorsam ausgerichtete Struktur der meisten Verbindungen sollte eigentlich abschreckend genug sein, aber sie ist leider häufig nicht von Beginn an zu erkennen. Neulinge, auch Füxe genannt, werden langsam in die Korporation integriert. Wer also gutgläubig an diese Verbindungen herantritt kann leicht von „guter Stimmung“, Gemeinschaftsgefühl und Luxusausstattung getäuscht werden.

Man kann natürlich nicht alle Verbindungen über einen Kamm scheren und Burschenschaften, Corps, Landsmannschaften, Studentenvereine, Sänger-, Jäger- und Turnerschaften, sowie die Christlichen Verbindungen gleichermaßen verurteilen. Die Vielzahl der unterschiedlichen Korporationen (allein in Göttingen an die 50) macht es zudem schwer eine differenzierte und fundierte Warnung zu formulieren, aber bei vielen ist tatsächlich Argwohn geboten.

Ihr solltet Vorsicht walten lassen, denn in Göttingen gibt es mehrere Verbindungen und Burschenschaften, die nicht nur das fragwürdige „Lebensbund-Prinzip“ vertreten, die „schlagend“ sind (also fakultativ oder pflichtgemäß fechten) und das Vaterland sowie das Patriarchat verehren, sondern auch solche, die mehr oder weniger offen mit rechtsextremen Gruppen und Persönlichkeiten der Gesellschaft verbunden sind (wie z.B. die Burschenschaften Hannovera und Holzminda).

Nicht alle Verbindungen sind rechtsradikal und einige nehmen auch Ausländer, Wehrdienstverweigerer und die wenigsten sogar Frauen auf. Dennoch ist immer wieder zu beobachten, dass sie Ausgangspunkt von Geschichtsrevisionismus, Sexismus, Diskriminierung von Ausländern, Soldatenkult und großdeutschen Träumereien sind.

Vor allem die Burschenschaften haben sich mit diesem Themen hervorgetan. Der zweitgrößte deutsche Verbindungsdachverband „Deutsche Burschenschaft“ (ca.14.000 Mitglieder 1997) „sieht das deutsche Vaterland unabhängig von staatlichen Grenzen in einem freien und einigen Europa, welches Osteuropa einschließt.“1 Und sagt, dass das „Burschenbrauchtum immer auf eine bestimmte männliche Gruppe abgestimmt [ist]. Die menschliche Weltordnung ist auf das Männliche ausgerichtet”2. Ihm gehören Vereinigungen an, die so offen rechtsradikal sind, dass sie als verfassungsfeindliche Organisation eingestuft werden (z.B. die Danubia München). Auch die Göttinger Burschenschaften, die der „Deutschen Burschenschaft“ angehören, haben des Öfteren durch nationalistische Umtriebe und Einladung von Personen der rechten Szene auf sich aufmerksam gemacht.

Also liebe Kolleg_innen: Tut euch den Gefallen und schaut bei der Wohnungssuche genau hin! Null Toleranz für rechte Burschis!

Übrigens treffen sich die Mitgliedsverbände der „Deutschen Burschenschaft“ einmal im Jahr in Eisenach, um an das erste Wartburgfest 1817 und die Gründung der Urburschenschaft 1815 zu erinnern. Frauen sind hierbei lediglich als schmückendes Beiwerk geduldet. Ansonsten bestehen diese Tage hauptsächlich aus Trinken und mit den „Bundesbrüdern“ Reden über die achso herrliche Herrlichkeit des deutschen Mannes und der deutschen Nation schwingen. Natürlich nicht selten unter Anwesenheit gewisser Parteifunktionäre.

Wen dies stört, die_der sei auf folgende Seite verwiesen: http://gegenburschentage.blogsport.de/

1 Deutsche Burschenschaft, Grundsätze der Verfassung der deutschen Burschenschaft, Art.9

2 Burschenschaftliche Blätter 5/1980

Aus der Einladung einer Burschenschaft: „Bist Du hässlich, fett, krank oder fremd im Lande, bist Du von Sorgenfalten, Weltschmerz oder linksliberaler Gesinnung gepeinigt, trägst Du alternative oder Schickimicki-Kleidung – oder gar einen Ring im Ohr, studierst Du Publizistik, Pädagogik oder Theologie oder gar nicht, hast Du den Wehrdienst verweigert oder eine Freundin mit, die weder schön noch still ist, dann bleib lieber zu Hause. Du würdest sowieso nicht eingelassen werden!“ (Zit. nach AStA Uni Hamburg 2005)

Ein Großer Dachverband riet für die Mitgliederwerbung folgendes: „[…] mit Getränken enthemmen, emotionale Suggestivfragen stellen, schlechtes Gewissen im Fall des Nichtentschlusses erzeugen“
„[…] Freundin [des Anzuwerbenden, die Red.] heranziehen; Freundin ggf. eliminieren; über Verlust der Freundin trösten durch Aktivwerden [in der Verbindung, die Red.]“ (zit. nach: AStA Uni Bielefeld 2000)

Aus „Burschenschaftliche Blätter“ vom März 1933 zur Machtübernahme der NSDAP: „Die Deutsche Burschenschaft ist lange Zeit wegen ihrer scharfen Beschlüsse in der Judenfrage angefeindet worden […] Jetzt hat sie die Genugtuung, dass es eine deutsche Regierung gibt, die den Kampf gegen das Judentum auf der ganzen Linie aufgenommen hat“. (Zit. nach AStA Uni Hamburg 2005)

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